Verkehrswende Fulda

Verkehrswende Fulda

Ein Bericht über das Initiativtreffen am 13. Mai 2014 und seine Folgen

Von Stefanie Krecek

Dem Kampfradler Don Quichote aus der 2. Ausgabe der Agora möchte ich mich anschließen.

Auch ich habe meinen Kampf als Radfahrerin, fahre jeden Tag zur Arbeit und wieder  zurück, werde ca. 2x/ Woche fast überfahren, habe meinen Ärger mit den Bussen, LKWs, PKWs, Fußgängern. Ich fahre fast alle Wege mit dem Rad oder nutze mein privates Carsharing für längere Strecken.

Fulda ist fahrradunfreundlich (Städteranking im Fahrradklimatest Rang 222 von 252 Städten). Und da mich diese Unachtsamkeit Fuldas maßlos aufregt, freute ich mich über die Ankündigung der  Veranstaltung „Verkehrswende Fulda“. Denn da wird jetzt was bewegt, dachte ich mir und ging hin. Ich war neugierig wie viele engagierte Menschen zusammen kommen würden.

Es waren ca. 35 – engagierte Privatpersonen, Mitglieder von Organisationen (z. B. Pro Bahn und Bus, ADFC, VCD, Attac, LKW Wahnsinn) und Parteien (Ortsbeirat SPD, Mitglieder des Kreisverbandes Grüne u. Stadtverordnete, ein Mitglied des Stadtparlaments Linke/Offene Liste und Mitglieder der Bunten Liste Schlitz), ein Vertreter des AstA und eine Professorin der Hochschule Fulda.

Zu Beginn stellte die Organisationsgruppe ihre Vision vor:

Eine aktive Verkehrspolitik, ein sinnvoller Ausbau des ÖPNV als Alternative zum PKW- Verkehr, mehr entspanntes, sicheres, schnelles Radfahren in Fulda, durchgängige Fußgängerzonen ohne Stopps und Hindernisse, mehr verkehrsberuhigte Straßen. Anders ausgedrückt: Die Stärkung leiser, sauberer, ökologischer und sozial gerechter Verkehrsarten in Fulda.

Davon ist Fulda noch ein gutes Stück entfernt. Hier dominiert der Autoverkehr, die  Nahverkehrsverbindungen sind vor allem für Jugendliche am Wochenende und nach 22 Uhr wenig attraktiv, das Radverkehrsnetz ist schlecht und die allgemeine Akzeptanz fürs Radfahren mangelhaft.

Die Verkehrswende Fulda (Beispielbild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3d/Traffic_seen_from_top_of_Arc_de_Triomphe.JPG)

Die Verkehrswende Fulda (Beispielbild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/3d/Traffic_seen_from_top_of_Arc_de_Triomphe.JPG)

Gute Konzepte aus anderen Städten existieren bereits. Das Hauptziel der Fuldaer Initiative könnte daher sein, für einen Stimmungswandel zu sorgen, damit bestehende Ideen und Konzepte auch umgesetzt werden können. „Es bringt nichts, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, wenn der Wille zur Umsetzung fehlt.“ Geschäftsleute in der Innenstadt befürchteten z.B. Umsatzeinbußen durch Einschränkung des Autoverkehrs. Allerdings könnte auch die Gewerbeansiedlung auf der grünen Wiese für eine solche Umsatzeinbuße verantwortlich sein, die eine attraktive, verkehrsarme Innenstadt womöglich gar ausgleichen würde.

In der Betrachtung der vier große Themen ÖPNV, motorisierter Individualverkehr, Radverkehr und FußgängerInnen wurden zig Ideen gesammelt, vor allem aber wurde sehr viel diskutiert.

Zu einer Übereinstimmung, vor allem zu konkreten Zielen und Aktionen, kam man aber noch nicht, und ein weiteres Treffen wurde für Juni einberufen. Ich ging nach Hause. Unterwegs begegneten mir einige SUV*s, kein Radfahrer, einige Fußgänger. Am Busbahnhof war tote Hose, es war auch bereits 22 Uhr vorbei. In mir gärte ein Plan. Ein wenig wütend ob dem ganzen Gerede, setzte ich mich an meinen Computer, kontaktete einen Freund mit der Frage: “Wie lange dauert es eine Critical Mass* in Fulda zu organisieren? Andere Städte machen das doch auch….Nörgel…“ Die Antwort kam prompt: “Zwei Tage…“ Seitdem gibt es auch in Fulda eine Critical Mass. Sie trifft sich jeden letzten Dienstag im Monat, 18 Uhr am Domplatz, zufällig natürlich und radelt kreuz und quer durch Fulda. Das letzte mal wurden wir von der Polizei eskortiert, damit uns nichts passiert…. Ich fühle mich seitdem viel großstädtischer.

*SUV: Sport Utillity Vehicle, großer vierradgetriebener Geländewagen, der aus Amerika zu uns rüber geschwabbt ist; XXXL PKW, für den unsere Straßen zu eng, die Parkhäuser zu niedrig, die Parkplätze zu kurz, der Benzinverbrauch zu hoch und manch FahrerInnen nicht intelligent genug zu sein scheinen
 
*Critical Mass: “spontane” gemeinsame Radtour einer geschlossenen Gruppe durch die City, Kreuzungen und Ampeln dürfen am Stück überquert werden, Sinn: durch die Masse an Teilnehmern auf Radfahrer als Teil des innerstädtischen Verkehrs aufmerksam machen